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Frage · Hund

Wie bringe ich meinem Hund bei, auf Rufen zu kommen?

Kurz gesagt

Gib deinem Hund einen Grund, das stehen zu lassen, was er gerade tut. Lade ein neues Rückrufwort wie „Hier!“ zu Hause mit richtig guten Leckerli auf und übe dann draußen in kleinen Stufen an einer Schleppleine am Geschirr. Ruf nur, wenn du auf den Erfolg wetten würdest, und lass ihn danach oft wieder los. Wurde das alte Wort jahrelang überhört, leg es beiseite. Kroki, eine belohnungsbasierte Trainings-App für Welpen und Hunde, enthält Rückruf-Schritte mit „Hier!“ und eine SOS-Karte für den Fall, dass der Rückruf nicht klappt.

So geht’s, Schritt für Schritt

  1. Leg ein abgenutztes Signal beiseite

    Hat dein Hund „Komm!“ schon hundertmal gehört, ohne dass danach etwas Gutes kam, oder kurz bevor geschimpft wurde, bedeutet das Wort wenig oder sogar „gleich gibt’s Ärger“. Such dir ein neues, zum Beispiel „Hier!“, und fang damit bei null an.

  2. Lade das neue Wort zu Hause auf

    Sag das neue Signal in einem ruhigen Raum einmal und gib ein Top-Leckerli, sobald dein Hund dich ansieht, und noch eins, wenn er bei dir ist. Verteil etwa zehn solcher Durchgänge über einen Tag, ohne Ablenkung, bevor du das Wort irgendwo anders benutzt.

  3. Arbeite dich in Stufen nach draußen

    Geh vom Haus in den Garten, vom Garten auf einen ruhigen Weg und von dort in einen belebteren Park. An jedem neuen Ort fängst du nah und leicht an, als würde dein Hund das Signal zum ersten Mal lernen.

  4. Die Schleppleine sichert

    Bis das Signal an dieser Art von Ort klappt, hängst du eine Schleppleine von 5 bis 10 Metern an ein gut sitzendes Geschirr. Lass sie schleifen oder halte sie locker und zieh deinen Hund nie damit heran: Die Leine ist ein Sicherheitsnetz, kein Trainingsmittel.

  5. Biete mehr als die Ablenkung, dann lass los

    Bezahl mit etwas, das dein Hund lieber will als das, was er verlassen hat: echtes Fleisch, ein Zerrspiel oder ein kurzes Hinterherrennen hinter einem geworfenen Spielzeug. Danach schickst du ihn mit „Frei!“ wieder los, damit Zurückkommen selten das Ende vom Spaziergang bedeutet.

  6. Plane den Jagdtrieb mit ein

    Hunde, die Rehen, Hasen oder Vögeln nachjagen, halten selten allein auf ein Signal an. Wähl Wege mit weniger Wild, lass die Schleppleine in Wald und Feld dran und hol dir Hilfe von einer Hundetrainer:in, um den Jagddrang in gemeinsame Spiele umzulenken.

Du hast einen Welpen?

Ein junger Welpe hat noch keine schlechten Erfahrungen mit dem Signal und folgt dir gern auf Schritt und Tritt. Deshalb kannst du „Hier!“ vom ersten Tag an mit diesem Folgen verknüpfen, in Einheiten von ein bis zwei Minuten zu Hause. Die Seite für Welpen erklärt die ersten Wochen.

Was Studien über Belohnung, Druck und Rückruf sagen

Der Rückruf gehört zu den wenigen Signalen, die direkt untersucht wurden. In einer Studie mit 63 Familienhunden, die „Sitz“ und „Hier“ lernten, kam die Gruppe mit belohnungsorientierten Trainer:innen in etwa 83 von 100 Fällen schon auf den ersten Ruf, die Gruppe mit ferngesteuertem Stromhalsband in etwa 71, und sie machte sich etwas schneller auf den Weg (China, Mills und Cooper 2020). Die Gruppen trainierten auch zu verschiedenen Jahreszeiten, deshalb sehen die Autor:innen das Ergebnis als einen Baustein und nicht als letztes Wort.

Druck hat auch für den Hund seinen Preis. Eine Studie mit 92 Familienhunden aus mehreren Hundeschulen fand: Hunde aus Schulen, die stark auf aversive Methoden setzten, zeigten im Training mehr Stressverhalten, danach höhere Werte des Stresshormons Cortisol und in einem späteren Test eine pessimistischere Erwartung als Hunde aus belohnungsbasierten Schulen (Vieira de Castro und Kolleg:innen 2020).

Eine Übersichtsarbeit kam zu einem ähnlichen Bild: Aversive Methoden können der körperlichen und seelischen Gesundheit von Hunden schaden, und es gibt keinen Beleg, dass sie besser wirken als Belohnung (Ziv 2017). Für einen erwachsenen Hund, dessen Rückruf früher mit Schimpfen oder einem harten Zug an der Leine verbunden war, ist das eine gute Nachricht: Mit Belohnung und einem neuen Wort fängst du freundlich neu an.

Wenn der Rückruf hakt

  • Dein Hund bleibt ein paar Meter vor dir stehen: Dreh dich seitlich, geh in die Hocke und belohne an deinen Füßen. Sich über ihn zu beugen oder nach dem Halsband zu greifen, macht die letzten Meter unangenehm.
  • Er schaut kurz, dann geht er zurück zum Geruch: Du hast zu spät gerufen, oder die Ablenkung war zu groß. Geh eine Stufe zurück.
  • Er kommt nur, wenn er Futter in deiner Hand sieht: Trag die Leckerli in der Tasche oder im Beutel und bezahl manchmal mit Spiel.
  • Früher kam er, jetzt nicht mehr: Lass zuerst Schmerzen abklären und überleg dann, was sich geändert hat, etwa eine neue Runde, mehr Wild oder die Pubertät.

Häufige Fehler mit erwachsenen Hunden

  • Das Signal dort testen, wo es scheitern muss, etwa wenn gerade ein Reh vorbeirennt. Ruf dort, wo du Geld auf den Erfolg setzen würdest.
  • Den Rückruf nur zum Ende des Spaziergangs nutzen. Leine ihn unterwegs mehrmals an, belohne und lass ihn wieder los.
  • Die Schleppleine nach dem ersten guten Tag abnehmen. Lass sie an jeder neuen Art von Ort wochenlang dran.
  • Annehmen, dass ein Tierschutzhund das Wort kennt. Viele haben nie einen Rückruf gelernt, also fang an wie mit einem Welpen, nur mit längeren Einheiten.

Wann zum Profi

Lass deinen Hund nur dort frei laufen, wo es erlaubt und sicher ist, und nie in der Nähe von Straßen oder Wild, solange der Rückruf noch wackelt. Sprich mit Fachleuten, wenn:

Häufige Fragen

Kann ein älterer Hund noch lernen, auf Rufen zu kommen?

Ja, Hunde können den Rückruf in jedem Alter lernen. Ältere Hunde brauchen vielleicht ein paar Wiederholungen mehr, also halte die Einheiten kurz und die Belohnung großzügig, und frag in der Tierarztpraxis nach, wenn dein Hund langsamer wird.

Mein Hund überhört „Komm“: Soll ich das Wort wechseln?

Oft ja, wenn das alte Wort meist wiederholt wurde oder etwas Unangenehmes folgte. Ein neues Wort gibt dir einen sauberen Neustart, solange du es von vorn aufbaust und es sich immer lohnt.

Wie bringe ich einem Tierschutzhund den Rückruf bei?

Fang mit Vertrauen und einem leichten Rückruf drinnen an, bevor du draußen übst. Gib deinem Hund ein paar Wochen zum Ankommen, sichere ihn draußen mit der Schleppleine und lass ihn erst frei, wenn er an ruhigen Orten zuverlässig zurückkommt.

Kann ein Hund mit starkem Jagdtrieb jemals frei laufen?

Manche können es in sicherem, offenem Gelände, viele aber nicht in der Nähe von Wild. Eine Hundetrainer:in hilft dir, Beschäftigung für den Trieb zu finden, und bis dahin schützt die Schleppleine deinen Hund und das Wild.

Bringt ein Ferntrainer meinen Hund zuverlässiger zurück?

Nicht besser als Belohnung: In einer Studie mit Familienhunden reagierte die belohnungstrainierte Gruppe öfter schon auf den ersten Ruf. Solche Geräte bergen außerdem Risiken für das Wohlergehen, bleib also bei Belohnung und Schleppleine.

Warum kommt mein Hund zurück, bleibt aber knapp vor mir stehen?

Meist, weil Ankommen bisher Festhalten oder Anleinen bedeutet hat. Belohne an deinen Füßen, fass das Geschirr erst nach dem Leckerli an und lass ihn oft wieder laufen, damit sich Ankommen sicher anfühlt.

Wie lang sollte eine Schleppleine für das Rückruftraining sein?

Fünf bis zehn Meter passen für die meisten Hunde und Orte. Hak sie immer am Geschirr ein, nie am Halsband, und trag bei einem kräftigen Hund Handschuhe, damit ein plötzlicher Sprint keinen von euch verletzt.

Quellen